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31. Juli 2020 – WOHLSTANDSMASCHINEN

WOHLSTANDSMASCHINEN
ZUR INDUSTRIEGESCHICHTE ÖSTERREICHS

KUNSTHAUS DEUTSCHVILLA
Strobl am Wolfgangsee

31. Juli – 9. September 2020

Bekanntlich beschleunigte die erste industrielle Revolution, vor gut 200 Jahren, die Entwicklung von Technik, Produktivität und Wissenschaft, brachte aber für die Menschen keine besonders großen Wohltaten. Ganz im Gegenteil, begleitet von einer starken Bevölkerungszunahme, mit einer Zuspitzung sozialer Missstände, kam es zu einer Verlagerung der Menschen vom Lande in die Städte, ohne dass dort hinreichende Wohnunterkünfte vorhanden waren. Arbeitszeiten von 14 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche waren keine Seltenheit. Bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit drohte Hunger.

In Folge kam es zu wiederkehrenden Unruhen und Streiks der arbeitenden Bevölkerung. Engagierte Sozialreformer versuchten die Menschen in ihren Nöten zu unterstützen und die Ursachen der Missstände zu bekämpfen.

Diese Bewegungen bereiteten den Boden, um in der zweiten industriellen Revolution nach dem 2. Weltkrieg, breitere Bevölkerungsschichten in die Lage zu bringen, sich einen relativen Wohlstand zu erarbeiten. Nach der Weltwirtschaftskrise in der Zwischenkriegszeit sorgten starke Gewerkschaften und spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg auch hohe progressive Steuern für eine Verringerung der Einkommensungleichheit. Der Sozialstaat wurde erkoren mit vielfachen Verbesserungen der Lebensumstände der Menschen.

Noch in den 1950er Jahre gab es hohe Arbeitslosenzahlen, die aber ab 1952 abnahmen. Allmählich stieg der Arbeitskräftebedarf der aufstrebenden Wirtschaft, und schon in den späten 1950er Jahren herrschte Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenquote lag bei unter zwei Prozent. 1955 wurden erstmals von offizieller Seite sogenannte Gastarbeiter, vor allem in der Türkei und Jugoslawien angeworben. Die Zeit des blühenden Wirtschaftswunder war angebrochen,

  • Mehr Menschen denn je eilten an ihre Arbeitsstätten, arbeiteten in den Industriebetrieben.
  • Aus den Fahrrädern, den Mopeds wurden Autos.
  • Aus den Kleinstwohnungen, ohne Bad, Klo am Gang, Küche, Kabinett wurden schmucke Einfamilienhäuser.
  • Aus vielen kleinen Läden, wurden wenige Supermärkte.
  • Operationen waren weniger riskant als früher, es kam häufiger zu Heilungen.

Die Wohlstandsmaschine, betrieben von unzähligen Händen und Köpfen, lief wie geschmiert, schuf was alle zu brauchen glaubten. Wie alles verschlingende Lawinen rollten Güter ohne Ende aus den Fabriken, füllten die Schränke, die Wohnungen, die Häuser, Garagen, den Umraum der Städte, die Seelen, Herzen und Köpfe.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf diverse große, wie auch kleine Industriebetriebe Österreichs.

  • Sie zeigt, am Beispiel des Bad Ischler Betriebs ARTWEGER, wie aus dem, nach dem Krieg erkannten Mangel und der daraus folgenden Produktion von Wäscheklupperln ein führender Betrieb, als Experte fürs Bad wurde.
  • Dokumentarfotos zeigen faszinierende Einblicke in die Fabriken von VOEST, ELIN, den SALINEN Österreichs, mit ihren mächtigen Produktionshallen und Maschinen.
  • In diversen Betrieben gab es Vereine von malenden Arbeitern, so zum Beispiel in der VOEST oder ELIN in Weiz bei Graz. Es entstanden Bilder, Aquarelle, Fotos die das Leben in den Fabriken zeigen, erstaunlich meisterhaft gemalt, manches auch mit scharf kritischem Blick.
  • Zu sehen längst verschwundene Industriebetriebe, deren Verschwinden oftmals der globalen Kapitalwanderung geschuldet ist, wie die WEBEREI in Ebensee, mit Fotos von den Arbeiterinnen in der Weberei.
  • Auch den Gastarbeitern wird ein Kapitel gewidmet werden, unter dem Motto: Es wurden Gastarbeiter gerufen, doch es kamen Menschen.
  • Spannend die Geschichte von EVVA „keys, locks and smartphones – a time travel through the history of security“. Aus einer kleinen Idee, vor hundert Jahren geboren, wurde, mit viel Beharrungsvermögen, ein weltumspannender Konzern mit breiter Produktpalette.
  • Auch zu sehen, wie aus der kleinen Bad Ischler Schlosserei Bruckschlögl, unter dem Namen SUNKID, ein in über 70 Ländern agierender Player im Wintersport und Vergnügungsparks wurde.
  • Die Dramaturgie dieser Ausstellung verlangt auch zu zeigen, wo all diese fleissigen Betreiber der Wohlstandsmaschine enden, nämlich in den Altersheimen. Der MUSEUMSVEREIN WEIZ stellt Fotos zur Verfügung von ArbeiterInnen im Altersheim, allein auf ihren Betten sitzend. Alles, was sie als Rädchen in der Wohlstandsmaschine geschaffen haben, ist vielleicht noch in ihren Träumen präsent.
© Deutschvilla Strobl