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4. September 2020 – Im Trüben Fischen

IM TRÜBEN FISCHEN –
Sphären von Uneindeutigem
kuratiert von Daniela Wagenender-Stelzhammer

4. September bis 4. Oktober

[1] ursprüngliche, heute seltenere Bedeutung: sich mit unredlichen Mitteln einen Vorteil verschaffen
[2] neuere Bedeutung: in unbekannter Umgebung suchen, bei der Suche Mühe haben

Der Titel der Ausstellung nimmt die vornehmlich negative und abwertende Wendung ​ Im Trüben fischen ​ zum Anlass, um einer bestimmten Form von Melancholie in der Kunst nachzuspüren. In einer Art Abkehr von moralisch Gutem geht es dabei um ein parasitäres Entgrenzen fester Begriffe.

Im Trüben fischen ​ ist eine Taktik bei der sich unklare Verhältnisse zu Nutze gemacht
werden. Der franz. Philosoph ​ Michel de Certeau ​ bezeichnet ‚Taktik‘ als ​ „ein Kalkül, das nicht mit etwas eigenen rechnen kann und somit auch nicht mit einer Grenze, die das Andere als sichtbare Totalität abtrennt. Die Taktik hat nur den Ort des Anderen. Sie dringt teilweise in ihn ein, ohne ihn vollständig erfassen zu können und ohne ihn auf Distanz halten zu können. Sie verfügen über keine Basis, wo sie ihre Gewinne kapitalisieren, ihre Expansionen vorbereiten und sich Unabhängigkeit gegenüber den Umständen bewahren kann. Das ‚Eigene‘ ist ein Sieg des Ortes über die Zeit. Gerade weil sie keinen Ort hat, bleibt die Taktik von der Zeit unabhängig; sie ist immer darauf aus, ihren Vorteil ‚im Fluge zu erfassen‘. Was sie gewinnt bewahrt sie nicht. Sie muß andauernd mit den Ereignissen spielen, um ‚günstige Gelegenheiten‘ daraus zu machen. Der Schwache muß unaufhörlich aus den Kräften Nutzen ziehen, die ihm fremd sind.“

Kunst soll in der Lage sein gesellschaftliche Grenzen und Regeln als konstruiert, beweglich und nicht unumstößlich erkennen zu lassen. Ebenso wie Standpunkte zu verschieben, um Fragen aufwerfen zu können, um den Blick zu öffnen, um Horizonte zu erweitern und überraschende Einblicke gewähren zu können. Ort und Zeit sind Parameter unter welchen die Bedingungen dafür ausgehandelt werden.
Das kann bedeuten, dass Kunst besonders dort interessant wird, wo sie ihre eigenen Grenzen in Frage stellt, unklare Felder auslotet und nicht Neues entdeckt. Anstößig, unsittlich, ausschweifend, disziplinlos, unanständig, ungesittet, hemmungslos, lasterhaft, liederlich, unmoralisch, verdorben, verrucht, verworfen, wüst, zuchtlos, zügellos, …, sind Begriffe, welche die Freiheit persönlicher Lebensführung genau so umreißen, wie die vermeintliche Freiheit der Kunst skizzieren.
In welcher Weise stellt sich Kunst gegen verschiedene Formen von Repression? Wie macht Kunst sich ungünstige Verhältnisse zu Nutzen? Und wie unwegsames Terrain für sich nutzbar?

Die Ausstellung wird Arbeiten zeigen die in Erscheinung und Inhalt im Trüben fischen, um sich mit unredlichen Mitteln einen Vorteil zu verschaffen. Dabei geht es nicht darum etwas in den Vordergrund zu drängen, sondern im Gegenteil darum, Bedingungen, die unvorteilhaft für die eigenen Umstände und Vorhaben sind, zu nutzen.

Vorauswahl Künstler_innen (unvollständig):
CHIEREGHIN, Pablo/GIANNOTTI, Aldo
LOIDL, Katharina Anna
LUKASSER, Rosmarie
MAYRHOFER, Katharina
MÜLLNER, Leonhard/KLENGEL, Robin
RAAB, Eva-Maria
SIX, Sebastian
VRBA, Jakub
WIMMER, Betty

© Deutschvilla Strobl