Walter Pilar, Schriftsteller, Graphiker, „KunstWandwerker & Rauminstallatör“
1. August 1948 in Ebensee – 1.1.2018 in Linz
50 Jahre lang trat Walter Pilar öffentlich auf: Er performte, las, stellte aus und schrieb. Wäre er der Lehrer für Volks- und Hauptschulen geworden, wofür er sich zuerst hatte ausbilden lassen – er wäre mit Sicherheit eines der merkwürdigsten Organe des sog. „Lehrkörpers“ geworden, und er hätte Generationen von Schülern nachhaltig untauglich für dümmliche Anpassung und 08/15-Karrieren gemacht. Stattdessen erhielt er bereits 1990 den oberösterreichischen Landespreis für Literatur.

Sein Geburts- und Heimatort Ebensee war ihm „biographischer Reibebaum, an denen er seine Funken entzünden konnte“ 1 , und er war ein „Traunseher“ – so auch der Name jener Künstlergruppe, die er hier in den 70ern mitgründete. Wortfindungsstörungen hatte er kaum je; er war ein Spielsüchtiger des Wortspiels, aber nicht als art pour l'art, sondern aus Leidenschaft für den vortrefflichen sprachlichen Ausdruck von allem, gleichermaßen im
Groben wie im Ziselierten. Dabei strickte er enthemmt und furios Dialekt und Hochsprache in eins.

Walter Pilars vierbändiges Großwerk „Lebenssee“ (1996–2018) führt Ebensee im Titel, dieser Ort und die ganze Region dienen aber in Wirklichkeit als Brennpunkt für den gesamten Lebensraum des vielfältigen, sinnlichen, quergeistigen, ebenso empfindsamen wie im Bedarfsfall auch feuerspuckenden teilnehmenden Beobachters WP. Walter Pilar als Sprecher und als Autor auf der Bühne war ein NaturKulturEreignis. Es stimmt gar nicht, dass er „gelesen“ hätte – das aufgeschlagene Buch diente ihm wohl nur als Evangeliar: In Wirklichkeit gab er seinem Publikum alles wie frisch aus dem Kopf gepflückt dar. Und er machte Bilder, Skulpturen, zeichnete und sammelte. Er entwickelte auch Satzzeichen, den „Rufstrich“ und den „Fragestrich“, um mehr Akzente im Satzgefüge setzen zu können.

Neben dem Landespreis für Literatur erhielt Walter Pilar 2003 das Adalbert-Stifter-Stipendium und 2016 den Kunstwürdigungspreis für Literatur der Stadt Linz. Pilar war verheiratet mit Gertrud Pilar, mit der er zwei Kinder hatte.Er starb bei einem Treppensturz im gemeinsamen Wohnhaus in Linz am 1.1.2018.